Attraversiamo - mail für dich: Christmas always finds me (6)

6. Ausgabe von Attraversiamo - mail für dich

Liebe/ lieber Kerstin, Thomas, Frank, Michael, Dörtje-Maria, Leni, Serge, Juri, Harald, Michael, Godela, Gerald, Thomas, Michaela, Ina, Michael, Sibylle, Felix, Corinna, Christa, Svenja, Martina, Estelle, Michaela, Anne, Heino, Oliver, Werner, Monika, Georg, Christine, Jan, Kerstin, Susanne, Patrick

hallo!

SWR3 spielt schon seit einigen Wochen unter dem Motto „Zusammenhalten“ tagsüber nur Wünsche der Hörerinnen. Damit kommen auch Lieder zum Zug, die bei den Musikredakteuren nicht im Fokus stehen. In der Adventszeit habe ich auf einer Autofahrt im Autoradio ein Lied gehört, um dessen Titel es heute gehen soll. 

Christmas always finds me von Ingrid Andress. 

Im Refrain heiß es dort: “But somehow Christmas always finds me (Aber irgendwie findet mich Weihnachten immer)“. Den kompletten Text findet ihr z.B. hier: https://www.azlyrics.com/lyrics/ingridandress/christmasalwaysfindsme.html

But somehow Christmas always finds me”.

Wie soll das gehen? Ich gestalte doch mein Weihnachten selbst, habe eine Vorstellung, Wünsche und Erwartungen. Auf der anderen Seite: selbstauferlegte Betriebsamkeit und Hektik in der Adventszeit, angespanntes Abarbeiten der Festplanung, das Verschieben und Konzentrieren von Entspannung und Gelassenheit auf die Zeit zwischen den Jahren, eine gewisse Leere nach den Festtagen („das war‘s schon wieder“). Und dieses Mal auch noch dieses gefühlte Gefängnis aufgrund der Pandemie was die Offenheit, den persönlichen Austausch, die flexible Planung betrifft. Vielleicht kennt ihr einige dieser Erfahrungen. Gerade in diesem bewegten Jahr durfte ich wieder erfahren, dass Weihnachten mich findet – wenn ich es zulasse.

But somehow Christmas always finds me”. Als schlauer Junge habe ich mich natürlich wieder bestens versteckt hinter meinen Interpretationen, Unterstellungen und daraus abgeleiteten Vorwürfen. Alles basierend auf Beobachtungen. Z.B. von mir nahestehenden Menschen, die seit Wochen an der Grenze ihrer Belastbarkeit sich um andere sorgen. Mir war es unverständlich, warum sie sich so viel Verantwortung auf die eigenen Schultern luden, warum sie anderen das Vorausdenken und Organisieren und Umsetzen abnahmen. Das passte so gar nicht in mein Verständnis von Adventszeit. Das Lied hat mir geholfen zu akzeptieren, dass Weihnachten auch andere Menschen findet, dass jeder sein Weihnachten findet. Und dass meine Vorstellungen und mein Weihnachten davon abweichen kann und darf. Und die besonderen Randbedingungen dieses Jahr haben mir geholfen, Weihnachten für mich zu verstehen: was ist mir wirklich wichtig?

But somehow Christmas always finds me”. Im Austausch mit Werner durfte ich schon letztes Jahr einen Blick in seine Notizen werfen, die ich als „Erkenntnis-Buch“ bezeichnen würde. Er hält darin u.a. fest, was ihm wirklich wichtig ist. Vielen Dank dafür Werner! So habe ich neben meinem Wünschebuch - in das ich täglich morgens von hinten her eintrage, wofür ich dankbar bin und von vorn, was ich mir wünsche - ein weiteres kleines Büchlein. Dort halte ich für mich in Worten, Zitaten und kleinen Bildern bzw. Skizzen fest, was mich bewegt. Und auch, was ich daraus für mich erkenne. Einer der- bislang nur wenigen Einträge lautet: Weihnachten ist, wenn meine Tochter mit mir den Christbaum schmückt. Das haben wir in diesem Jahr schon am 2. Advent gemacht. Und damit begann für mich meine Weihnacht. Doch für die oben geschilderte Person blieb die Anspannung, ihre Gedanken kreisten um das doch irgendwie möglich machen von (gewohnten) Weihnachten für andere. Mein Verständnis dafür war sehr begrenzt. So habe ich angefangen über Helfersyndrome, frühkindliche Prägung und familiäre Belastungen zu hirnen.

But somehow Christmas always finds me”. Mein Hirnen hätte mich beinahe um mein Weihnachten gebracht. Dabei war die Lösung so einfach: auch diese andere Person wählt sich, was für sie Weihnachten ist, auch sie lässt sich von Weihnachten finden. Das muss nicht mein Weihnachten sein, sondern ihres. Und als ich das verstanden habe wurde es unsere Weihnacht.

Ich wünsche euch, dass ihr euch von eurem Weihnachten finden lasst. Dass ihr erkennt, was euch wichtig ist und auch zulassen könnt, was für andere wichtig ist.

But somehow Christmas always finds me” - Frohe Weihnachten!

Uwe